Jaron Lanier über die Gefahren des Internet

Der von vielen mit Spannung erwartete Vortrag von Jaron Lanier hat die Vorstellungen des Publikums sicher voll erfüllt. Ganz ohne Präsentations-Slides führte Lanier durch seine Welt der Technologie und der daraus hervorgehenden Gefahren.

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Trotz aller Kritik, die er an vorhandenen Modellen des Internets äußert, beschreibt er sich selbst doch als „critic, but a friendly one“, der Freundschaften und fachliche Kritik differenzieren kann.

So ist es auch nicht verwunderlich, wenn er seine Kritik an Wikipedia ausübt, aber es dennoch nicht als die schlimmste Entwicklung im „Web 2.0“ – Zeitalter beschreibt. Lanier warnt dennoch vor den möglichen Auswirkungen von Wikipedia, das seiner Meinung nach eine große psychische Attraktivität auf narzistisch veranlagte Personen ausübt. Wie er es auch schon zu Beginn der Woche im Spiegel-Interview beschrieb, befürchtet Lanier negative Auswirkungen einer monopolistischen Art, Wissen zu aggregieren.

Um einer Monopolisierung des Wissens zu entgegnen, ruft Lanier daher zur kulturellen Vielfalt auf. Die Verschiedenheit sei eine einzigartige Eigenschaft der Menschheit, die man nicht durch Internet oder andere Technologien aufgeben solle.

Lanier äußert sich skeptisch gegenüber den moralischen Qualitäten digitaler Systeme. In den 1990er Jahren waren Google und AskJeeves! bekannte Suchmaschinen. Letztere präsentierte eine Website, auf der eine „Person“ auf Fragen antwortet. Lanier kritisiert diese Herangehensweise, bei dem den Nutzern eine nicht vorhandene, reale Person vorgespielt wird. Google hingegen präsentiert sich ehrlich als mathematischen Such-Algorithmus.

Das Internet ist für viele Menschen wie ein Orakel. Wenn man diese Sichtweise ablegen würde, könnte es viel besser genutzt werden. Man kann das Internet als eine Art Orakel mit eigener Philosophie sehen, oder einfach nur buchstäblich als ein Netzwerk an Leuten, die gewisse Werkzeuge nutzen. Er selbst favorisiert den letzteren Gedanken.

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Kollektive Intelligenz ist dann sinnvoll, wenn eine befragte Menge an Personen eine einzelne Zahl als Ergebnis hervorbringen muss. Diese Effektivität der kollektiven Intelligenz zeigte sich in mehreren Experimenten zu Börsenwerten und Wahlen. In diesem Zusammenhang erwähnte Lanier das Buch von James Surowiecki „The Wisdom of Crowds“. Lanier schließt mit einem Appell an die Individualität des Menschen: „Don’t limit yourself by a definition of yourself!“
Ein einzelner Blogpost wie dieser kann sicher die Fülle der Ideen und Thesen Jaron Laniers nicht widergeben und so ist auch eine Stunde bei einem Kongress erst der Beginn der Diskussionen.

Comments

There are 3 comments on “Jaron Lanier über die Gefahren des Internet”

  1. Rainer on 16.11.2006 18:36

    Da scheint sich ein kleiner Fehler eingeschlichten zu haben: “Anfang der 1990er Jahre waren Google und AskJeeves”…

    Google Inc. wurde jedoch erst 1998 gegründet.

  2. centrestage » Zukunft des Internets-The New Definition of Personhood on 17.11.2006 12:54

    [...] Dr. Jaron Lanier, Internetvisionär, Wissenschaftler, Musiker, mit eigener und Biografie in Wikipedia, bekannt aus der Virtual Reality Welt und aus dem Abspann von Minority Report und seit dem Spiegelinterview etwas umstritten. Neben vielen Beispielen präsentiert er auf dem Dresdner Zukunftsforum ein Beispiel aus Sicht der Geschäftswelt Second Life, eine virtuelle Welt, die als Spiel begonnen hat und inzwischen zu einem voll funktionierenden Marktplatz im Internet geworden ist, in dem man beispielsweise Immobilien oder Inseln kaufen kann. Zunehmend engagieren sich auch Firmen dort und kaufen sich ein, um die Kreativität dieser virtuellen Gestaltungswelt für die reale Welt zu nutzen. Technorati Tags: Dresden Future Forum 2006, second life [...]

  3. Wolf on 21.11.2006 14:30

    Mein Trackback hat nicht funktioniert, deswegen hier manuell:

    http://www.pc-magazin.de/blogin/2006/11/17/47/

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