Interview Wissensmanagement – Teil I

Stefan Ehrlich ist Leiter des Bereichs Content und Collaboration Solutions bei T-Systems Multimedia Solutions und als Prozessmanager für das TeamWeb verantwortlich, ein System für Wissensmanagment und Zusammenarbeit auf Wiki-Basis.

Dresden Future Forum @ BarCamp Berlin 3 Im Dresden Future Forum sprach Sefan schon einmal zu dem Thema “Die Auswirkungen von Dezentralität im Enterprise 2.0″. Auf dem BarCamp Berlin 3 hielt Stefan eine Session zum Thema Wissensmanagement 2.0. Ein Anlass für uns im Interview mit Ihm über Wissensmanagement als Produktionsfaktor, den einhergehenden Kulturwandel und wie man sein persönliches Wissensmanagement gestalten kann, zu sprechen.

Dresden Future: Wissen wird innerhalb der Unternehmen immer mehr als Produktionsfaktor verstanden. Welche Rolle spielt Wissen für den Erfolg eines Unternehmens und worin liegt die strategische Grundlage für das Wissensmanagement?

Stefan Ehrlich: Rund 80 Prozent des Wissens eines Mitarbeiters findet sich heute auch irgendwo im Internet. Die restlichen 20 Prozent sind die entscheidenden. Dies kann Spezialwissen über einzelne Produkte, ganz allgemein Erfahrungen, aber auch Wissen über den Kunden sowie Branchenwissen sein. Wissensmanagement als Ansatz muss die Personen identifizieren die über solches Spezialwissen verfügen, dieses Wissen sicherstellen und auch aktuell halten können. Für uns als Unternehmen ist Wissen die Erfolgsgrundlage. Unser unternehmenseigenes TeamWeb unterstützt uns bei dieser Aufgabe. Mit einer Vielzahl von Communities ist es zugleich Kommunikationswerkzeug für alle Mitarbeiter und dient als strategische Grundlage für das Wissensmanagement.

Dresden Future: Welche Rolle spielen Informations- und Kommunikationstechnologien für das Wissensmanagement in einem Unternehmen?

Stefan Ehrlich: Tools sind vor allem im Rahmen von bekannten Strukturen wichtig, können aber den Menschen nicht ersetzten. Der zwischenmenschliche Austausch, die Kommunikation zwischen den einzelnen Agierenden, sollte weiter im Vordergrund stehen. Technologien können aber ergänzen, helfen und Sachverhalte wieder erkennbar machen. Am besten funktioniert das in Web-orientiertem Wissensmanagement, in der alle internen und externen Informationsquellen in die Unternehmensbasis mit einbezogen werden.

Dresden Future: Neben strukturellen Veränderungen kann Wissensmanagement im erheblichen Maße auch kulturelle Veränderungen mit sich bringen. Stehen die Unternehmen mit der Einführung von Wissensmanagement vor einem kompletten Wandel der Unternehmenskultur?

Stefan Ehrlich: Die früheren universitären Ansätze von Wissensmanagement sind i.d.R. durchweg gescheitert. Einer der Hauptgründe war die mangelnde Veränderung der Unternehmenskultur. Jeder schrieb einfach auf was er wusste. Das Zwischenmenschliche ist dabei aber oft zu kurz gekommen. Der Aufschreibende tat dies meist in einem anderen Kontext als der Wissenssuchende, insofern war die Wissensverwertung schwierig. Oft fehlte schlichtweg auch die Zeit für Wissensmanagement. Mit Web 2.0 haben sich die Menschen mehr vernetzt und das hat vieles leichter gemacht. Wissensmanagement ist nicht mehr Aufschreiben und Konsumieren, sondern Kommunizieren. Aber Wissensmanagement stößt auch heute noch auf Widerstände in den Unternehmen. Konkurrenzdenken, Profit-Center-Strukturen und Misstrauen behindern die erfolgreiche Einführung. Um Wissensmanagement erfolgreich umzusetzen muss deshalb die Einführung von Tools und Methoden synchron mit einem Kulturwandel im Unternehmen stattfinden.

Comments

There is 1 comment on “Interview Wissensmanagement – Teil I”

  1. Dirk Röhrborn on November 14th, 2008 17:19

    Dem kann ich nur zustimmen. In unserem Blog haben wir weitere Informationen zum Teamweb zusammentragen http://www.humannetworkcompetence.de/2008/10/28/der-spannende-weg-zum-intranet-20-firmen-wiki-als-teamweb-mit-atlassian-confluence/

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