Funktion: Nähe und Wärme spenden

Kuscheln als Gesellschaftskritik: das verkörpert der Funktionide von Designer Stefan Ulrich. Im Future Talk spricht Stefan Ulrich über seine Erfindung und die gesellschaftlichen und persönlichen Gründe für den Bedarf an Funktioniden.

Zunächst wird klargestellt: Ein Funktionide ist kein Roboter. Funktioniden sollen keine Arbeit verrichten, sondern haben nur eine Funktion, und zwar: Nähe, Wärme und Geborgenheit spenden.

Was unterscheidet den Funktioniden dabei von einem Partner, einem Haustier oder einem Kuscheltier? Zunächst die Optik: der Funktionide besteht aus einem Teil Barbapapa und zwei Teilen menschengroßer weißer Raupe und schlängelt sich über den Boden zu seinem Besitzer und schmiegt sich an ihn. Dabei täuscht der Funktionide Atembewegungen und Herzschlag vor. Ermöglicht wird dies durch elektroaktive Polymere.

Zu dieser Technologie forschte Stefan Ulrich im Vorfeld der Entwicklung des Funktioniden. Das Besondere an elektroaktiven Polymeren ist, dass man mit ihnen die Bewegung von Muskeln simulieren kann. So bewirkt die Technik im Inneren des Funktioniden, dass es von außen so aussieht, als würde der weiße Wurm atmen.

Doch wie kommt man darauf, einen Riesen-Kuschel-Wurm zu entwerfen?

Die Flexibilisierung der Arbeitswelt zwingt uns heute oft zum Job-Nomadentum. Für Stefan Ulrich persönlich hieß das: Fernbeziehung und Einsamkeit und der Wunsch, dass jemand zu Hause in der leeren Wohnung auf ihn wartet. Daraus entstand die Idee zum Bau des Funktioniden verbunden mit der Frage: Wie wollen wir leben?

Wünschenswert wäre es, so Ulrich im Interview, wenn Projekte wie der Funktionide Einfluss auf die Arbeitswelt hätten und zum Nachdenken darüber anregen würden, ob die Flexibilisierung des Berufslebens mit all ihren Konsequenzen eine erstrebenswerte Entwicklung ist.

Intelligenztests für Roboter

Wann kann man einen humanoiden Roboter als intelligent bezeichnen? Dieser Frage geht Steffen Büffel im Interview mit Pascal Kaufmann, Forscher am Artificial Intelligence Lab der Universität Zürich, nach.

Pascal Kaufmann erklärt zunächst, dass der Begriff Intelligenz im ECCE Robot Project des Artificial Intelligence Lab eigentlich gar nicht so gerne verwendet wird. Denn entscheidend dafür, ob ein Roboter als “intelligent” gelten kann, ist, ob er mit der realen Welt interagieren kann. Als Intelligenztest bietet sich – man höre und staune – ein Fußballspiel an. Denn beim Fußball spielen, so erläutert Kaufmann, müssten nicht nur Regeln eingehalten, sondern auch gebrochen werden. Darüber hinaus ist Teamarbeit zum Gewinnen unerlässlich. Würde also ein Team humanoider Roboter gegen eine Mannschaft aus Fleisch und Blut gewinnen, spräche dies für die Intelligenz der Roboter. Pascal Kaufmann betont, dass Roboter bei einzelnen Facetten durchaus besser sein könnten als Menschen, erst das Bearbeiten mehrerer Faktoren stellt eine Herausforderung dar.

Ein weiteres Ziel des ECCE Robot Project ist, dass die Roboter Fragen beantworten können. Voraussetzung ist dafür laut Pascal Kaufmann, dass sie die reale Welt selbst erleben können, zum Beispiel um zu wissen, wie sich ein Baum anfühlt. Neben dem Erleben spielen dafür auch die Interaktion mit der Umwelt, Wertesysteme und Moralvorstellungen eine wichtige Rolle.

Zum Einsatz kommen könnten die humanoiden Roboter in Form intelligenter Materialien zum Beispiel in der Prothetik, also beim Bau von Prothesen. Das Material einer Armprothese könnte selbstständig erkennen, wie fest die Hand im Moment zudrücken sollte.

Die Erforschung der künstlichen Intelligenz wirft jedoch auch Fragen auf. So ist das Gehirn für Pascal Kaufmann nach wie vor ein Mysterium. Da sich Information Processing nicht nur im Hirn, sondern im ganzen Körper abspielt, sieht sich Kaufmann mit dem Gedanken konfrontiert, ob Menschen als Reflexmaschinen zu sehen sind, die auf Umwelteinflüsse reagieren und nur das Gefühl haben, sie hätten einen freien Willen. Pascal Kaufmann fühlt sich als Wissenschaftler erst am Ziel, den Menschen verstanden zu haben, wenn man ihn künstlich bauen kann.