Crowdfunding für den Frieden – Neue politische Bewegungen aus dem Netz
Inspiriert von den politischen Aktionen im vergangenen Jahr, die sich hauptsächlich gegen das Internetabkommen ACTA richteten oder der Occupy-Wallstreet-Bewegung zuzuordnen waren, nehmen die Internetnutzer weltweit verstärkt das Thema Krieg und Frieden ins Visier. Damit wächst auch die Spendenbereitschaft der User.
Ein erstes Beispiel ist die Solidaritätswelle mit den Opfern des ugandischen Kriegsverbrechers Joseph Kony. Angefangen hatte alles mit einem 30-minütigen Video („Kony 2012“), das der Regisseur Jason Russell auf You Tube ins Netz stellte und das seit Anfang März 2012 über 104 Millionen Mal aufgerufen wurde. Parallel dazu konnten die User für rund 30 Dollar ein Spenden-Kit für die Stiftung Invisible Children erwerben, deren Einnahmen den Opfern zugutekommen sollten: diese liegen derzeit bei über 15 Mio. Dollar (17.04.2012). Doch die Liste der Befürworter dieser Initiative ist ebenso lang wie die ihrer Kritiker: Unter anderem würden die Einkünfte der Kampagne größtenteils in Lobbyarbeit oder Verwaltungsausgaben fließen. Außerdem verkenne der Film die komplexe Situation im Norden Ugandas.
Zweites Beispiel dieser Entwicklung ist die Initiative des Israelis Ronny Edry. Besorgt über die politischen Spannungen seines Heimatlandes mit dem Iran, stellte er unter dem Slogan „Iraniens, we will never bomb your country, we love you“ ein Poster von sich und seiner Tochter auf seine Facebook-Seite. Damit trat er weltweit eine Welle an Imitatoren los, die auf seinem Blog ebenfalls mit einem eigenen Foto oder Video und dem Slogan für Frieden im Nahen Osten warben. Auch viele Iraner reihten sich, trotz Zensur, in diese Sympathiebekundungen ein. Fast 30.000 Dollar an Spenden hat Ronny Edry mit seiner Kampagne bis jetzt (17.04.2012) akquiriert, um deren Bekanntheitsgrad weiter steigern zu können.
Es bleibt abzuwarten, ob diese Initiativen tatsächlich Druck auf die politischen Entscheidungsträger ausüben werden. Eins ist jedoch sicher: das Crowdfunding oder Crowdsponsoring gemeinnütziger und pazifistischer Inhalte scheint in einer neuen, globalen Dimension angekommen zu sein.
Auf dem 5. Dresdner Zukunftsforum wird Ole Seidenberg, Gründer und Geschäftsführer der Agentur Nest, in einer Break-Out-Session das Potential des Web 2.0 für das Fundraising sozialer Projekte näher beleuchten.










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