Digital Divide – Vom ungleichen Zugang zu Neuen Medien in der Welt
Den rasanten Entwicklungen im Bereich Informations- und Kommunikationstechno-logien und den damit einhergehenden Möglichkeiten für die Nutzer/-innen, steht ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Weltbevölkerung entgegen, der keinen Zugang zu diesen hat. Man spricht in diesem Zusammenhang vom Digital Divide – der digitalen Spaltung, die den ungleichen Zugang von bestimmten Bevölkerungsgruppen zu den Neuen Medien beschreibt.
Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien lässt sich eine rasante Entwicklung ausmachen, die sich auch zukünftig weiter zu beschleunigen scheint: die Abstände, in denen neue Technologien und Anwendungen auf den Markt kommen, werden kürzer und lassen unsere Kommunikationsmöglichkeiten und den Zugriff auf Informationen mobiler und schneller werden. Die Technologien und Entwicklungen im Bereich Web 2.0 ermöglichen den Nutzer/-innen zudem immer mehr Partizipations- und Gestaltungsmöglichkeiten im Netz.
Jedoch wird oft vergessen, dass es auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen in der Welt gibt, die keinen oder nur einen schlechten Zugang zu den technologischen Fortschritten und den damit verbundenen Möglichkeiten der Teilhabe besitzen: Nur 65% der Weltpopulation nutzen das Internet. Während in den Industrieländern 74% der Bevölkerung im Netz unterwegs sind, sind es in den Entwicklungsländern nur 26,5%. In den Industrienationen haben 71 % der Haushalte einen Internetzugang, in den Entwicklungsländern nur 20% (Stand 2011). Es lassen sich also im weltweiten Vergleich beträchtliche Unterschiede im Zugang zu den neuen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten und damit auch zu Entwicklung, Fortschritt sowie sozialer, kultureller und politischer Teilhabe feststellen.
Digital Divide (digitale Kluft/ Spaltung) ist der Begriff, der den ungleichen Zugang verschiedener Bevölkerungsgruppen zu den Informations- und Kommunikationstechnologien beschreibt.
Die digitale Kluft besteht unter anderem auf globaler Ebene zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern. Dabei lässt sich neben dem fehlenden Zugang zu den Technologien, auch eine fehlende Verfügbarkeit von für die Nutzer/-innen relevanten Inhalten ausmachen. Oft sind diese beispielsweise nicht in der entsrechenden Muttersprache verfügbar. Darüber hinaus besteht auch ein Mangel an Medienbildung, um die bestehenden Möglichkeiten überhaupt adäquat nutzen zu können. Neben der globalen digitalen Spaltung lässt sich eine solche auch auf sozialer und regionaler Ebene sowie hinsichtlich des Alters und des Geschlechts feststellen. Die digitale Spaltung führt wiederum zur Vergrößerung der bereits bestehenden Wissenskluft zwischen wirtschaftlich besser gestellten Bevölkerungsgruppen, die tendenziell auch über einen höheren Bildungsabschluss verfügen und denen, die wirtschaftlich schwächer gestellt sind und tendenziell auch einen schlechteren Zugang zu Bildung haben.
Inzwischen gibt es weltweit größere und kleinere Organisationen und Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, auch benachteiligte Bevölkerungsschichten mit Hilfe verschiedenster Maßnahmen und Projekte in die globale Informationsgesellschaft zu integrieren und damit dem Digital Divide entgegenzuwirken: Beispielsweise engagieren sich die 2009 u.a. von Sir Tim Berners-Lee mitgegründete nonprofit Organisation The Web World Wide Foundation auf vielfältige Weise. Andere Beispiele unter zahlreichen sind der Gemeinnützige Verein Digitale Brücke e.V. oder das Projekt one laptop per child.
Unterstützung wird zum einen geleistet, indem die entsprechende Hard- und Software und der Zugang zum Internet bereitgestellt und finanziert werden. Neben PCs zählen dazu auch mobile Endgeräte. Im Rahmen eines Pilotprogramms der World Wide Web Foundation wird beispielsweise der Einsatz von Interactive Voice Response Systemen (IVR) als mögliche Alternative für den Zugang zum Web getestet. Zum anderen werden kostenlose Computer- und Multimedia-Kurse für Lernende und Lehrende in den betroffenen Regionen angeboten, um die Bevölkerung im Umgang mit den Technologien und den damit verbundenen (Partizipations-) Möglichkeiten zu qualifizieren. Im Kontext Digital Divide haben auch Open-Source-Anwendungen und Open Data eine große Bedeutung. Ziel ist es zum einen, Menschen den Zugang zu lokalen, regionalen aber auch globalen Informationen zu ermöglichen. Zum anderen soll auch die aktive Teilhabe unterstützt werden, denn gerade diese bildet die Grundlage für Innovationen und Weiterentwicklung.
Quellen: ITU, Bundeszentrale für politische Bildung, Uni Bielefeld, World Wide Web Foundation, Initiative Digitale Brücke e.V.










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