Was kommt nach dem digitalen Zeitalter?
Dr. Stephan Baumann leitet am Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz in Kaiserslautern die Abteilung Computational Culture. Forschungsgegenstand der Abteilung ist der Einfluss der omnipräsenten neuen Medien auf Leben und Kultur.
Im Interview mit Steffen Büffel definiert Dr. Stephan Baumann Computational Culture als “das Untersuchen aller Phänomene, die sich damit befassen, inwieweit man kulturelle Artefakte überhaupt mit Rechnern produzieren kann”. Eine andere Sichtweise beschreibt diese Frage: “Leben wir in einer Kultur, in der ständig berechnet wird, einer Kultur der Berechenbarkeit?”
Die neuen Medien wurden sehr schnell angenommen, es sei ganz normal auch bei einer Grillparty über Tweets zu sprechen, so Baumann. Oft wird im Internet auch nicht mehr nach einem bestimmten Musikstück gesucht, sondern nach dem besten Empfehlungsverfahren für Musik. Laut Baumann nähern wir uns damit sehr schnell der Virtualität oder einer so genannten Hyper-Realität.
Im Interview wagt Dr. Stephan Baumann einen Blick in die Zukunft. Er sieht zum einen die weitere Auswertung von Nutzerdaten und –meinungen für Prognosezwecke. Darüber hinaus wird die persönliche Verantwortung eine große Rolle spielen, was man von seinem Privatleben öffentlich preisgibt.
Doch was kommt nach dem digitalen Zeitalter? Dr. Baumann verwendet in diesem Zusammenhang die Begriffe „Post-Digital“ und „Neo-Analog“. Beides bezeichnet einen Zustand, in dem das Digitale so selbstverständlich ist, dass man nicht mehr groß darüber nachdenkt.
Um den Begriff des Neo-Analogen zu veranschaulichen, nennt Dr. Stephan Baumann als Beispiel Kunstprojekte, die sich mit dem Thema befassen:
- Auf der Website suicide machine.org kann man digitalen Freitod begehen, alle Konten bei sozialen Netzwerken werden dabei gelöscht.
- Aram Bartholl, Medienkünstler aus Berlin, baute in seiner Arbeit Map Objekte aus dem Digitalen nach und stellt sie in die reale Welt z.Bsp. Marker, wie man sie von Online-Karten kennt.
Wie Dr. Stephan Baumann den künftigen Einfluss des Post-Digitalen auf unser tägliches Leben einschätzt, sehen Sie im Future Talk Video.
Internet for all
20 years after Sir Tim Berners-Lee invented the World Wide Web, we ask him in our Future Talk: What is the future of the Internet?
Sir Tim first emphasises that the future of the Web is difficult to predict. One goal however should be to create a platform that promotes future developments and applications, and to do so without imposing limitations so that all development options remain open.
Asked how we can ensure that the Web benefits people, Berners-Lee replies that several aspects have to be taken into consideration. First of all it is important, he says, to see that the 80 percent of people who currently have no access to the Internet are quickly brought on board and become part of the information society. The fundamental questions we have to ask ourselves regarding the humanity of the Web are: Does it actually help democracy or does it destabilise it? Is the Web causing people to feel that democracy is fairer, or less fair?
In 2008, Sir Tim Berners-Lee founded the World Wide Web Foundation with the aim of making the Web accessible to everyone and keeping the Internet free and open. One aspect of these efforts is of course focused on those people who have no access to the Internet at all. But the WWW Foundation also works with those who are already online, for example to increase their motivation to actively use the Internet. It often makes sense to show people that they themselves can contribute to the WWW, and not just use it passively like radio or television.
The Internet is very text-heavy, and this creates further problems: first of all for people who cannot read, and secondly because the texts on the Internet are not available in all languages. To increase WWW access for everyone, the WWW Foundation has initiated a number of projects, one of which is VOICES. The idea behind VOICES is simple: 80 percent of humanity is still offline, but mobile network coverage theoretically reaches over 90 percent of the world’s population. The project therefore seeks to advance Internet access via mobile phones. In order to avoid disadvantaging anyone, VOICES aims to develop a voice-based service that overcomes the limitations of the current (text-based) services.
Funktion: Nähe und Wärme spenden
Kuscheln als Gesellschaftskritik: das verkörpert der Funktionide von Designer Stefan Ulrich. Im Future Talk spricht Stefan Ulrich über seine Erfindung und die gesellschaftlichen und persönlichen Gründe für den Bedarf an Funktioniden.
Zunächst wird klargestellt: Ein Funktionide ist kein Roboter. Funktioniden sollen keine Arbeit verrichten, sondern haben nur eine Funktion, und zwar: Nähe, Wärme und Geborgenheit spenden.
Was unterscheidet den Funktioniden dabei von einem Partner, einem Haustier oder einem Kuscheltier? Zunächst die Optik: der Funktionide besteht aus einem Teil Barbapapa und zwei Teilen menschengroßer weißer Raupe und schlängelt sich über den Boden zu seinem Besitzer und schmiegt sich an ihn. Dabei täuscht der Funktionide Atembewegungen und Herzschlag vor. Ermöglicht wird dies durch elektroaktive Polymere.
Zu dieser Technologie forschte Stefan Ulrich im Vorfeld der Entwicklung des Funktioniden. Das Besondere an elektroaktiven Polymeren ist, dass man mit ihnen die Bewegung von Muskeln simulieren kann. So bewirkt die Technik im Inneren des Funktioniden, dass es von außen so aussieht, als würde der weiße Wurm atmen.
Doch wie kommt man darauf, einen Riesen-Kuschel-Wurm zu entwerfen?
Die Flexibilisierung der Arbeitswelt zwingt uns heute oft zum Job-Nomadentum. Für Stefan Ulrich persönlich hieß das: Fernbeziehung und Einsamkeit und der Wunsch, dass jemand zu Hause in der leeren Wohnung auf ihn wartet. Daraus entstand die Idee zum Bau des Funktioniden verbunden mit der Frage: Wie wollen wir leben?
Wünschenswert wäre es, so Ulrich im Interview, wenn Projekte wie der Funktionide Einfluss auf die Arbeitswelt hätten und zum Nachdenken darüber anregen würden, ob die Flexibilisierung des Berufslebens mit all ihren Konsequenzen eine erstrebenswerte Entwicklung ist.
Intelligenztests für Roboter
Wann kann man einen humanoiden Roboter als intelligent bezeichnen? Dieser Frage geht Steffen Büffel im Interview mit Pascal Kaufmann, Forscher am Artificial Intelligence Lab der Universität Zürich, nach.
Pascal Kaufmann erklärt zunächst, dass der Begriff Intelligenz im ECCE Robot Project des Artificial Intelligence Lab eigentlich gar nicht so gerne verwendet wird. Denn entscheidend dafür, ob ein Roboter als “intelligent” gelten kann, ist, ob er mit der realen Welt interagieren kann. Als Intelligenztest bietet sich – man höre und staune – ein Fußballspiel an. Denn beim Fußball spielen, so erläutert Kaufmann, müssten nicht nur Regeln eingehalten, sondern auch gebrochen werden. Darüber hinaus ist Teamarbeit zum Gewinnen unerlässlich. Würde also ein Team humanoider Roboter gegen eine Mannschaft aus Fleisch und Blut gewinnen, spräche dies für die Intelligenz der Roboter. Pascal Kaufmann betont, dass Roboter bei einzelnen Facetten durchaus besser sein könnten als Menschen, erst das Bearbeiten mehrerer Faktoren stellt eine Herausforderung dar.
Ein weiteres Ziel des ECCE Robot Project ist, dass die Roboter Fragen beantworten können. Voraussetzung ist dafür laut Pascal Kaufmann, dass sie die reale Welt selbst erleben können, zum Beispiel um zu wissen, wie sich ein Baum anfühlt. Neben dem Erleben spielen dafür auch die Interaktion mit der Umwelt, Wertesysteme und Moralvorstellungen eine wichtige Rolle.
Zum Einsatz kommen könnten die humanoiden Roboter in Form intelligenter Materialien zum Beispiel in der Prothetik, also beim Bau von Prothesen. Das Material einer Armprothese könnte selbstständig erkennen, wie fest die Hand im Moment zudrücken sollte.
Die Erforschung der künstlichen Intelligenz wirft jedoch auch Fragen auf. So ist das Gehirn für Pascal Kaufmann nach wie vor ein Mysterium. Da sich Information Processing nicht nur im Hirn, sondern im ganzen Körper abspielt, sieht sich Kaufmann mit dem Gedanken konfrontiert, ob Menschen als Reflexmaschinen zu sehen sind, die auf Umwelteinflüsse reagieren und nur das Gefühl haben, sie hätten einen freien Willen. Pascal Kaufmann fühlt sich als Wissenschaftler erst am Ziel, den Menschen verstanden zu haben, wenn man ihn künstlich bauen kann.
A look at the future with Ray Kurzweil
At the 4th Dresden Future Forum, Ray Kurzweil delivered the keynote speech; in early February he was the subject of a TIME Magazine cover story. In a video interview with Steffen Büffel, Ray Kurzweil talks about the law of accelerating returns, the idea of exponential growth and its effects on education and ethics.
Asked how the exponential growth of technology affects education, Kurzweil says that in his opinion there is no need to learn facts; instead, children should learn how to think and how to solve problems. “The best way to learn something is to actually do something.” The Singularity University is a new experimental vision of how education can work: small groups of students collaborate on projects with the goal of positively affecting a billion people within ten years. That is feasible, believes Ray Kurzweil, adding that only the exponential growth of information technologies can solve the major challenges of humanity.
Interfaces between humans and technology
In Kurzweil’s opinion, we become closer and closer to technology until it is ultimately integrated into our lives. Implanting computer chips, for example, is no longer merely an experiment, but an approved therapy for Parkinson’s patients. In the video interview, Ray Kurzweil says that in the future, everyone will use implanted computers to stay healthy, become smarter, and also for direct “brain2brain communications”.
What about the ethics of these projects, which can affect the lives of thousands?
The main question is how to keep the technology safe, says Kurzweil. He cites biotechnology as an example of an excellent achievement which can unfortunately also be abused. According to Kurzweil, we must develop immune systems for new technology, similar to virus protection technology. Regular scanning for and rapid removal of software viruses could serve as a model for the defence and maintenance of new technologies.
Future: 2050
Asked what the people of the year 2050 will think about us today, Kurzweil says that people will look back and wonder how we dealt with not having a back-up of our “mind file”. Nowadays we don’t back up our memories. But our memories are also information! According to Kurzweil, in the future we will back them up and also have ways of storing people’s memories and skills. “There will be many other changes!”, adds Kurzweil and smiles.
Dresden Future Talk: Virtual Leadership auf dem Prüfstand
Die Unternehmensberaterin und Forscherin Ghislaine Caulat spricht im Video-Interview über die Chancen und Herausforderungen, die Virtual Leadership für Unternehmen mit sich bringt.
Dresden Future Talks 2010: Ghislaine Caulat über Virtual Leadership from Dresden Future Forum on Vimeo.
Ghislaine Caulat rät im Interview, Virtual Leadership als neue Disziplin zu betrachten, da das bisherige Wissen über Führung nicht produktiv in den virtuellen Raum übertragen werden könne. Die Bedeutung der Begriffe „Vertrauen“, „Macht“ und „Hierarchie“ ändert sich im Virtuellen.
„Das muss man erst lernen“, so Caulat, die in ihrer Tätigkeit als Unternehmensberaterin Firmen zu Virtual Leadership berät. Sie machte die Erfahrung, dass Unsicherheiten beim Virtual Leadership häufig im Bereich Kontrolle bestehen. Klassische Führungsarbeit beinhaltet Kontrolle und diese muss, so Caulat, im virtuellen Raum abgegeben werden. Dafür eröffnen sich neue Chancen der Zusammenarbeit. So kann man in einem global agierenden Unternehmen zum Beispiel regelmäßig mit Führungskräften aus allen Kontinenten zusammenarbeiten – was ohne Internet deutlich komplizierter wäre.
Ghislaine Caulat beschreibt im Interview die „Generation Y“ oder „Generation Facebook“. Diese möchte im Beruf an interessanten Projekten arbeiten, ohne dafür ständig um die Welt fliegen zu müssen. Zudem spielt die Work-Life-Balance eine immer größere Rolle. Für diese Generation eignet sich virtuelle Zusammenarbeit daher hervorragend.
Entscheidend für den Erfolg von Virtual Leadership, so Caulat: „Man muss es wollen, sich dafür engagieren und öffnen“. Mehr dazu im Video-Interview, das Steffen Büffel mit Ghislaine Caulat führte.
Dresden Future Talk: Johannes Kreidler
Der Komponist Johannes Kreidler tritt am 02. März 2010 auf der CeBIT auf. Im Rahmen der Webciety Conference führt Johannes Kreidler ein Klang-Arragement auf.
Dresden Future Talks 2009 – Johannes Kreidler from Dresden Future Forum on Vimeo.
Kreidlers Werk verdeutlicht, welche Auswirkungen die technologische Entwicklung auf den Kunstbegriff, das Selbstverständnis des Künstlers und den Kulturbetrieb haben. Seine computergestützen Klangkompostionen und akkustischen Arragements stellen die politische und gesellschaftliche Gegenwart provokant in Frage. So vertonte er in seinem Stück “Charts Music” die Volatilitäten verschiedener Aktienkurse US-amerikanischer Finanz- und Wirtschaftsunternehmen, die sich im freien Fall der Finanzkrise befanden. Die GEMA und mit ihr die Regelungen des deutschen Urheberrechts führte er mit seinem 33 Sekunden langen Musikstück “product placements” radikal an ihre Grenzen. Für die verwendeten Fremdanteile in “product placements” reichte Kreidler in einer Aktion 70.200 Papieranträge bei der GEMA ein. Weiterlesen…
Future Talk: Eine Kultur des gemeinsamen Innovierens!
Innovation findet längst nicht nur in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen statt. Eine neue Innovationskultur fordert Design Thinking, ein Innovationsansatz, der in der d-school in Potsdam praktiziert wird.
Dresden Future Talks 2009: Prof. Ulrich Weinberg – HPI d.school from Steffen Bueffel on Vimeo.
Professor Ulrich Weinberg beschreibt im Interview die Besonderheiten. “Was Design Thinking ausmacht, ist das Zusammenspiel von drei Aspekten: interdisziplinär gemischte Teams, ein iterativer Design- und Innovationsprozess und was nicht zu unterschätzen ist, speziell gestaltete Räume”. Das Entscheidende ist die offene, “ja fast kindliche” Herangehensweise an jedes neue Projekt, verrät Professor Ulrich Weinberg, Leiter der School of Design Thinking am Hasso Plattner Institut in Potsdam, in diesem Future Talk. Nach dem Vorbild der d.school in Stanford, Californien, bringt die HPI School of Design Thinking Studententeams unterschiedlicher Disziplinen zusammen, um auf diesem Weg benutzerfreundliche und innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Weiterlesen…
Semantisches Web trifft neuronale Netze
Future Talk mit Dr. Klaus Holthausen und Roy Uhlmann: Die Vision, alles zu vernetzen, rückt durch den Einsatz selbstregulierender dynamischer Systeme immer näher.
Beim 1. Dresden Open Space trafen sich Dr. Klaus Holthausen, Roy Uhlmann von qimaya mit Steffen Büffel. In diesem Gespräch gehen sie der Frage nach, wieso neuronale Netze die Suche im Web intelligenter machen.
Dresden Future Talks 2009: Dr. Klaus Holthausen und Roy Uhlmann from Steffen Bueffel on Vimeo.
Martina Pickhardt aka PickiHH im Future Talk #11
Im 11. Dresdner Future Talk befragt Steffen Büffel Martina Pickhardt über ihre Einschätzung und Erfahrungen zu kollaborativen Arbeitsformen.
Weitere Dresden Future Talks:
Future Talk #1: Dirk Hilbert, Bürgermeister von Dresden
Future Talk#2: Martin Oetting von trnd
Future Talk #3: Prof. Joachim Niemeier
Future Talk #4: Ulrike Reinhard
Future Talk #5: Frank Hamm
Future Talk #6 – Dr. Frank Schönefeld
Future Talk #7: Sören Stamer
Future Talk #8: Dr. Harald Sack
Future Talk #10: Stefan Ehrlich
Future Talk #10 – Christian Heller










