Jaron Lanier: Technologie muss Vielfalt unterstützen

Jaron Lanier führte in seinem Vortrag „The New Definition of Personhood“ führte durch die Welt der Technologie und der daraus hervorgehenden Gefahren.

 

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Die Erfolgsgeschichten von „Web 2.0“-Unternehmen wie Wikipedia oder Google werden laut Lanier derzeit durch eine gefährliche Monopolisierung von Wissen bedroht. Er nennt beispielhaft folgende falsche Überzeugungen:

  • In Wikipedia-Artikeln spiegelt sich das Wissen wider, auf das sich viele in einem Prozess des gegenseitigen Austausches und Ergänzens geeinigt hätten.
  • Wikipedia-Einträge in den Top 30 Suchergebnissen bei Google geben auch tatsächlich die richtigen Antworten auf die Suchanfragen.

Lanier warnte vor den negativen Auswirkungen dieser Art, Wissen zu bilden. Individuen sind häufig einfach besser, nur ist es recht unwahrscheinlich, dass man diese Personen immer zur Verfügung hat. Daher wird beides benötigt: Schwarmintelligenz und Elite bzw. Einzelintelligenz. Ein Unternehmen muss daher eine geeignete Arbeitsumgebung schaffen: sowohl für hochkreative Einzelkämpfer als auch für kooperierende Teams.

Lanier warnte vor einem fanatischen, vollständigen Glauben an die Macht der Technologie, insbesondere, wenn damit die Stimme des Einzelnen und seine Kreativität unterdrückt wird.

Sehen Sie hier einen Ausschnitt seines Vortrages beim 2. Dresdner Zukunftsforum.

 
icon for podpress  Jaron Lanier: The New Definition of Personhood [1:59m]: Play Now | Play in Popup | Download

Jaron Lanier über die Gefahren des Internet

Der von vielen mit Spannung erwartete Vortrag von Jaron Lanier hat die Vorstellungen des Publikums sicher voll erfüllt. Ganz ohne Präsentations-Slides führte Lanier durch seine Welt der Technologie und der daraus hervorgehenden Gefahren.

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Trotz aller Kritik, die er an vorhandenen Modellen des Internets äußert, beschreibt er sich selbst doch als „critic, but a friendly one“, der Freundschaften und fachliche Kritik differenzieren kann.

So ist es auch nicht verwunderlich, wenn er seine Kritik an Wikipedia ausübt, aber es dennoch nicht als die schlimmste Entwicklung im „Web 2.0“ – Zeitalter beschreibt. Lanier warnt dennoch vor den möglichen Auswirkungen von Wikipedia, das seiner Meinung nach eine große psychische Attraktivität auf narzistisch veranlagte Personen ausübt. Wie er es auch schon zu Beginn der Woche im Spiegel-Interview beschrieb, befürchtet Lanier negative Auswirkungen einer monopolistischen Art, Wissen zu aggregieren.

Um einer Monopolisierung des Wissens zu entgegnen, ruft Lanier daher zur kulturellen Vielfalt auf. Die Verschiedenheit sei eine einzigartige Eigenschaft der Menschheit, die man nicht durch Internet oder andere Technologien aufgeben solle.

Lanier äußert sich skeptisch gegenüber den moralischen Qualitäten digitaler Systeme. In den 1990er Jahren waren Google und AskJeeves! bekannte Suchmaschinen. Letztere präsentierte eine Website, auf der eine „Person“ auf Fragen antwortet. Lanier kritisiert diese Herangehensweise, bei dem den Nutzern eine nicht vorhandene, reale Person vorgespielt wird. Google hingegen präsentiert sich ehrlich als mathematischen Such-Algorithmus.

Das Internet ist für viele Menschen wie ein Orakel. Wenn man diese Sichtweise ablegen würde, könnte es viel besser genutzt werden. Man kann das Internet als eine Art Orakel mit eigener Philosophie sehen, oder einfach nur buchstäblich als ein Netzwerk an Leuten, die gewisse Werkzeuge nutzen. Er selbst favorisiert den letzteren Gedanken.

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Kollektive Intelligenz ist dann sinnvoll, wenn eine befragte Menge an Personen eine einzelne Zahl als Ergebnis hervorbringen muss. Diese Effektivität der kollektiven Intelligenz zeigte sich in mehreren Experimenten zu Börsenwerten und Wahlen. In diesem Zusammenhang erwähnte Lanier das Buch von James Surowiecki „The Wisdom of Crowds“. Lanier schließt mit einem Appell an die Individualität des Menschen: „Don’t limit yourself by a definition of yourself!“
Ein einzelner Blogpost wie dieser kann sicher die Fülle der Ideen und Thesen Jaron Laniers nicht widergeben und so ist auch eine Stunde bei einem Kongress erst der Beginn der Diskussionen.

One day until the 2nd Dresden Future Forum

Tomorrow, the 2nd Dresden Future Forum starts. We are looking forward to impressive speeches and lively discussion.

More than 300 guests are invited to discuss the life in the digital world. During the morning speeches, the topics globalization of markets and innovation will be elaborated. In the afternoon sessions, the focus will be put on the Future of the Internet. Experts of that field will speak about upcoming technologies and their impact on human lives.

This week, the German magazine Spiegel has published an interview with Jaron Lanier in which he warns of the impacts of collective intelligence. Despite some positive effects of the Internet like openness, the rapid and anti-evolutionary development of information technologies is a critical aspect in the digital world. Tim O’Reilly, on the other hand, favors in a recent blog post on his O’Reilly Radar blog, the idea of “harnessing collective intelligence” by Web 2.0 services. In this blog entry, he distinguishes this term from user-generated content.

These controversial viewpoints alone let us expect a lively discussion at the 2nd Dresden Future Forum. For all of you, who cannot attend the forum personally, we will blog about the speeches live. After the forum, you can watch the webcasts of the speeches on this website.

Spiegel-Interview mit Jaron Lanier

In der aktuellen Ausgabe des Spiegels warnt Jaron Lanier in einem Interview über den gefährlichen Glauben an die Weisheit der Massen.

Jaron Lanier Trotz einiger guter Ideen wie Demokratie und Offenheit, bringe das Internet dennoch sorgenvolle Entwicklungen hervor, so Lanier. Insbesondere die kollektive Intelligenz sei eine Eigenschaft des Internets, die negative Auswirkungen haben könne: “In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind”. Aggregatoren und das Kollektiv ziehen die Macht an sich, das Individuum sei lediglich ein Ideen-Lieferant.

Den Grund für rasante Fortschritte in der digitalen Welt und damit auch für die ansteigende “Gedankgleichmacherei” sieht Lanier in der anti-evolutionären Eigenschaft digitaler Technik: Die Netzkultur, also der Umgang mit Computer und Technik, durchläuft nicht die gleiche Evolution wie die menschliche Kultur. Auf schnellem Wege werden Technologien zu Standards, ohne dass sie evolutionär gereift wären.

Weiterhin warnt Lanier davor, die Realität als einen Computer zu betrachten, dessen Software der Mensch nur verbessern bräuchte. Eine Möglichkeit, der “Vermassung” im Internet entgegenzuwirken, sieht Lanier in einer Technik, mit der im Internet mit anspruchsvollen Inhalten Geld verdient werden kann und so der kollektiven Weisheit etwas Individualität entgegen gesetzt werden kann.

Jaron Lanier spricht an diesem Donnerstag beim 2. Dresdner Zukunftsforum in seinem Vortrag “The New Definition of Personhood” über den Einfluss von Technologie und Design auf das menschliche Wesen.
Das gesamte Interview mit Jaron Lanier in der aktuellen Spiegel-Ausgabe kann als E-Paper heruntergeladen werden.
Eine Diskussion zu dem Spiegel-Interview mit Jaron Lanier läuft aktuell unter http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/1253.

The New Definition of Personhood

Jaron Lanier has now submitted the abstract of his speech at the Dresden Future Forum.

In his speech, he is going to review the impact of technologies on personal lifestyles.

What we value in ourselves changes significantly with the qualities of the technologies in our lives. The specific nature of the changes depends on the specific technological designs. I understand myself to be engaged in a struggle over competing visions of the future of personhood. Personhood will be defined by the use scenarios left unspecified by technology designers…