Seltene Erden in Smartphones, Tablets & Co – Recycling gegen den Rohstoffhunger?

Sie finden sich in Smartphones, Tabletcomputern, Notebooks und Flachbildschirmen: Metalle der Seltenen Erden wie Lanthan, Yttrium, Cer oder Samarium. Während bis vor ein paar Jahren lediglich Experten mit dem Begriff Seltene Erden vertraut waren, gerät er derzeit immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit.

Seltene Erden sind Leicht- oder Schwermetalle, die eben jene High-Tech-Geräte zum Laufen bringen, die eine moderne, ortsungebundene und bedienerfreundliche Nutzung des Internets erlauben. Smartphones oder Notebooks sind Teil des täglichen Lebens einer wachsenden Gruppe an Internetnutzern. Und mit jeder neuen weiterentwickelten Version dieser Geräte, die von der High-Tech-Industrie auf dem Markt lanciert wird, steigt der Bedarf an Seltenen Erden.
Heute stammen rund 97 % aller geförderten Seltenen Erden aus China, und das, obwohl das Land lediglich 38 % der weltweiten Rohstoffreserven besitzt. Weitere große Vorkommen lagern zum Beispiel in den USA, Russland und Australien, die in den nächsten Jahren erschlossen werden sollen. Die immense Diskrepanz zwischen der Größe der chinesischen Lagerstätten und den dortigen Fördermengen hängt mit dem Umweltschutz zusammen: beim Abbau von Seltenen Erden treten extrem giftige Abfälle auf. Zwar versprach China seine Umweltschutzstandards zu verstärken. Allerdings verkaufen sich Seltene Erden aus Bergwerken mit hohen Umweltauflagen weitaus teurer. Zudem erhöhte China seit mehreren Jahren kontinuierlich die Exportbeschränkungen für Seltene Erden. Im Zuge dieser Maßnahmen explodierte der Weltmarktpreis innerhalb von drei Jahren um über 1.000 %. Deshalb schwelt jetzt ein Streit in der Welthandelsorganisation WTO: die USA, Japan und die EU legten Mitte März 2012 Beschwerde gegen die Exportbeschränkungen Chinas ein. Nun ist es an der WTO diesen Handelsstreit zu schlichten.
Damit allein ist die Problematik jedoch noch nicht gelöst: die wachsende Nachfrage nach High-Tech Geräten und die verstärkte Internetnutzung weltweit werden die Preisspirale für Seltene Erden weiter in die Höhe treiben. Zumal Seltene Erden auch in anderen Schlüsseltechnologien wie Windkraft oder Hybridantrieben stecken. Die steigende Preisentwicklung wird deshalb auch einen Rückkopplungseffekt auf den Kaufpreis dieser Güter entfalten und direkt für den Nutzer spürbar.
Wege aus der Rohstoffabhängigkeit sind deshalb gefragter denn je. Ein Lösungsansatz steckt im Recycling alter Geräte, die sonst ohne Umschweife im Elektroschrott landen würden. Da die Kosten für eine Wiederaufbereitung aber intensiv sind, rechnet sich dies erst, wenn recycelte Seltene Erden günstiger angeboten werden können als durch einen Abbau in den Lagerstätten. Umsetzbar wäre ein Recyclingsystem aber erst in ein paar Jahren, da zunächst technische, wirtschaftliche und rechtliche Voraussetzungen zu schaffen wären. Außerdem ist fraglich, ob Recycling allein den europäischen Bedarf an Seltenen Erden decken könnte. Dennoch gilt: Je früher Initiativen zum verantwortungsbewussten und nachhaltigen Umgang mit Seltenen Erden ergriffen werden, umso schneller werden effiziente Ergebnisse möglich. Dies ist umso wichtiger, da der Fortschritt des Internets eng mit der technischen Weiterentwicklung jener Geräte verknüpft ist, die es für den Nutzer erst erlebbar machen. So würden die nächsten Schritte der digitalen Welt vehement ausgebremst, sollte sich die Teuerung der Seltenen Erden auf den Märkten weiter verschärfen.

Quellen: Öko-Institut e. V., Europäische Union, Deutsche Rohstoffagentur, Tagespresse.